Welchen Stellenwert hat Research in der Immobilienwelt?

Im Interview mit Jan Groos, Research Analyst, beschäftigen wir uns mit der Bedeutung der Marktanalyse und den Trends in der Branche.

Welchen Stellenwert hat Research in der Immobilienwelt?

Die Komplexität von Immobilieninvestments hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Wo früher die Immobilie maßgebend im Vordergrund stand, gibt es heute eine Vielzahl an immobilienwirtschaftlichen Parametern, die in einem dynamischen Wirtschaftsumfeld zu beachten sind.

Für die Ersteinschätzung einer Immobilie sind neben den Standortdaten unter anderem die Wettbewerbssituation sowie das Einzugsgebiet von großer Bedeutung. Zusätzlich benötigen wir fortlaufend aktuelle Markt- und Hintergrundinformationen. Das immobilienbezogene Research generiert und verknüpft diese Daten miteinander und fungiert als Schnittstelle und Informationslieferant für die Weiterverarbeitung in den operativen Bereichen.

Mit welchen Tools arbeiten Sie?

Wir setzen externe sowie selbstkonzipierte immobilienwirtschaftliche Datenbanken und Reporting-Dashboards/Software ein. Zusätzlich verwenden wir ein Geographisches-Informationssystem (GIS), womit diverse Standort- und Wettbewerbsanalysen vollzogen werden können. Darüber hinaus profitieren wir als langjähriger Marktteilnehmer von einem breit aufgestellten Branchen-Netzwerk und einem direkten Kontakt zu den Akteuren aus der Handels- und Immobilienbranche.

Was macht die Herangehensweise der Hahn Gruppe aus?

Die Hahn Gruppe ist an allen Wertschöpfungsstufen des Immobilieninvestments beteiligt. Vom Ankauf, dem Asset-, Property- und Center-Management der Immobilie, bis hin zur Revitalisierung und Repositionierung. Wir entwickeln zudem Immobilien neu und wir steuern auch das technische Management. Bei einem Portfolio von mehr als 140 Immobilien und rund 40 Jahren Investmenthistorie ergeben sich daraus eine sehr gute Datenlage und Erfahrungswerte, die wir u.a. im Research nutzen können. Das unterscheidet uns von vielen anderen Asset und Investment Managern, die die Leistungen stärker outsourcen.

Sie geben auch einmal jährlich eine umfangreiche Research-Publikation heraus?

Seit 2006 veröffentlichen wir jährlich einen der führenden Marktberichte für den Handelsimmobilien-Investmentmarkt, den „HAHN Retail Real Estate Report“. In Zusammenarbeit mit CBRE, bulwiengesa und dem EHI Retail Institute berichten wir über das Marktumfeld, Segmententwicklungen und Trends im Einzelhandel und dem Immobilieninvestmentmarkt. Ein wichtiger Teil ist die Befragung von Händlern und Investoren, um ein genaues Gefühl für den Markt zu bekommen und Trends zu verproben. Unser Ziel: Mit dem Report wollen wir die Markttransparenz vergrößern. Davon profitiert die gesamte Branche.

Welche Trends werden zukünftig an Bedeutung gewinnen?

Aus Research-Sicht befinden wir uns in einer spannenden, aber auch herausfordernden Zeit. Die Dynamik des gesellschaftlichen, demografischen und technologischen Wandels nimmt weiter zu. So ist die gerade die konsumentengetriebene Einkaufswelt ständigen Veränderungen ausgesetzt. Mit einem Zuwachs an Einkaufsatmosphäre, Aufenthaltsqualität, Komfort und Service will der stationäre Handel seine Kunden zukünftig noch besser erreichen. Dabei spielt die Verzahnung der unterschiedlichen Einkaufskanäle – also online und offline - eine große Rolle, beispielsweise in Form von Click & Collect. Die Immobilienwirtschaft muss diese Trends antizipieren und begleiten, um dem Handel das erforderliche Umfeld zu bieten - beispielsweise für barrierefreie Zugänge, Abholstationen oder Drive-In-Terminals.

Insbesondere sehen wir auch, dass Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Governance) verstärkten Einfluss auf die Immobilienbranche ausüben und ein weiterer Treiber für die Digitalisierung sind. Um die Ressourceneffizienz der Gebäude zu erhöhen, sollten Mieter und Betreiber zukünftig auf das digitale Auslesen der relevanten Verbrauchsdaten setzen, um detailliert Optimierungspotenziale zu identifizieren. Gemeinsam und partnerschaftlich können Maßnahmen entwickelt werden, die die Klimaverträglichkeit der Immobilie erhöhen. Die Förderung der Photovoltaik und der E-Mobilität, eine nachhaltige Bauweise sowie die CO2-Neutralität der Energieversorgung der Energieversorgung sind nur einiger der Initiativen, mit denen wir uns in Zukunft verstärkt beschäftigen werden.

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